Alpine Naturgefahren

Hochwasserschutz am Steinbach in Nußdorf am Inn

In der Gemeinde Nußdorf am Inn führt das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim Hochwasserschutzmaßnahmen durch. Dabei wird auch die ökologische Struktur und die Sozialfunktion des Gewässers verbessert.
Der Ausbau erfolgt in zwei Bauabschnitten. Der Abschnitt 1 beginnt an der Brücke "Am Inn" und reicht bis zum Fußgängersteg nahe "Mitterweidach". Der Deich am rechten Ufer wird rund 20 Meter vom Gewässer abgerückt. Dadurch können künftig 73 Kubikmeter pro Sekunde Wasser im Steinbach schadlos abfließen.
Im Anschluss an die Deichrückverlegung beginnt die Flussmeisterstelle mit den flussbaulichen Maßnahmen, durch die Flussmeisterstelle Rosenheim. Die bestehenden Sohlabstürze werden in fischdurchgängige und strukturreiche Sohlrampen umgebaut. Zudem wird die linksseitige Böschungssicherung erneuert.


Baustelle am Steinbach in Nußdorf a. Inn Bild vergrössern Baustelle am Steinbach in Nußdorf a. Inn (Foto: WWA Rosenheim)

Die abgeflachte rechtsseitige Dammböschung wird mit einer Magerrasen-Blumenmischung bepflanzt. Der Geh- und Radweg auf der Dammkrone wird nach Fertigstellung der Deichrückverlegung wiederhergestellt. Der neue Steinbach wird für die Nußdorfer Bürger deutlich attraktiver. Der Bauabschnitt 2 beginnt oberstromig des Fußgängersteges und endet oberhalb der Brücke am Seilenauweg. Die Arbeiten sollen im Jahr 2021 beginnen.

Ausgleichsflächen und Naturschutz am Steinbach

Die Eingriffe in Natur und Landschaft im Zuge der Umbaumaßnahmen am Steinbach müssen ausgeglichen werden. Durch die Deichrückverlegung wird der ursprüngliche Waldsaum und Lebensraum für höhlenbrütende Vögel, Fledermäuse und Bilche (Haselmäuse) verschmälert. Zur Verbesserung der Lebensraumqualität werden vorhandene Habitat-Bäume und Totholz erhalten, neue Wurzelstücke und Steinhaufen am Waldrand geschaffen und Nistkästen für Haselmäuse angebracht. Der Wald wird forstlich nicht mehr genutzt. Die Bäume können naturgemäß altern, absterben und neue Ökosysteme bilden. Durch die Bepflanzung des Waldrandes und der Außenseite des Dammes hat die Haselmaus wieder einen durchgängigen Wanderkorridor entlang des Steinbaches.

Maßnahmen

  • Höhlenbäume bleiben erhalten
  • stehendes Totholz bleibt erhalten
  • Wurzelstöcke und Steinhaufen wurden am Waldrand platziert
  • Nistkästen für die Haselmaus wurden angebracht

Totholz

Totholz besteht aus abgestorbenen Bäumen oder Ästen, die sich nach und nach zersetzen. In einem naturbelassenen Wald bleiben tote Bäume stehen oder fallen zu Boden und sind somit Teil des Ökosystems Wald. Dies ist in unseren bewirtschafteten Wäldern kaum mehr möglich. Nicht nur Säugetiere wie die Haselmaus, in Höhlen brütende Vögel oder wärmeliebende Reptilien sind auf Totholz angewiesen oder profitieren davon. Auch unzählige Pilze, Insekten und Wirbellose leben vom und im Totholz und tragen selbst zur Zersetzung des Holzes bei. Zum Schutz seltener Tier- und Pflanzenarten werden die vorhandenen Höhlenbäume nicht gefällt, sondern lediglich gekappt. Sie dienen damit weiterhin als Höhlenquartier.


Wasseramsel Bild vergrössern Wasseramsel (Foto:Klaus Moritz)

Informationen

  • Gewässer: Steinbach, Gew. III, ausgebauter Wildbach
  • Gemeinde: Nußdorf am Inn
  • Maßnahme: Sanierung des Hochwasserschutzes
  • Zweck: Hochwasserschutz, Sohl- und Hangstabilisierung, ökologische Verbesserung
  • Kosten für ökologische Maßnahmen: 875.000 €
  • Gesamtherstellungskosten: 3,5 Mio. €
  • Baubeginn Frühjahr 2020
  • Ausführung: Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, Flussmeisterstelle Rosenheim

Sofortmaßnahme am Steinbach 2017: Bau eines Wildholzrechen

Kurz oberhalb der Ortschaft Nußdorf am Inn ging am 03.09.2017 nach längerem Regen ein Hangrutsch mit mehreren tausend Kubikmeter Material über den Mühltalweg in den Steinbach ab. Bei höheren Abflüssen musste mit einer Verdriftung des Rutschmaterials (Wurzelstöcke, Blöcke, Lockermaterial) in den ca. 500 m unterhalb gelegenen Ortsbereich gerechnet werden. Hier waren Überschwemmungen zu befürchten.


Hangrutsch am Steinbach Bild vergrössern Hangrutsch am Steinbach

Aufwändige Hangsicherung Bild vergrössern Aufwändige Hangsicherung

Krainer Verbaut Bild vergrössern Krainer Verbau

 

 

 

 

 

 

 

 

Deshalb wurde vom WWA Rosenheim als Sofortmaßnahme ein Wildholzrechen kurz unterhalb des Rutsches im Steinbach eingebaut. Damit wird ein Abschwemmen des groben Materials verhindert. Daraufhin wurde begonnen das Rutschmaterial aus dem Bach zu entnehmen. Gleichzeitig begann die Gemeinde Nußdorf a. Inn mit einer sehr aufwendigen Sicherung des Rutschhanges mit einem sog. Krainerverbau. Der Hang ist mittlerweile so weit gesichert, dass die Arbeiten der WWA-Ro zur Wiederherstellung der beschädigten Bachböschungen der Sohlbauwerke Ende April 2018 begonnen werden konnte. Die Kosten für die beschriebenen Arbeiten belaufen sich auf ca. 150.000 EURO. Die Kosten für die Hangsicherung von Seiten der Gemeinde sind dabei nicht berücksichtigt. Wir rechnen mit einer Bauzeit von drei Monaten, so dass der bei Wanderern und Radfahrern beliebte Mühltalweg ab August 2018 wieder freigegeben werden kann.